marandi.ch - Reiseberichte - Alaska - 28. Newsletter - Alaska [Juli 10]

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Tourdaten

Wir sind zur Zeit in Deutschland unterwegs! Siehe auch unsere
Google Map (Link).

Datum: 03.09.2010
Ort: Frankfurt am Main
Koordinaten:

N50 07.591 E8 37.421

aktueller Stand (nur Fahrrad):

Kilometer: 22'056 km
... Schotter: (17%) 3'648 km
... Asphalt: (83%) 18'408 km
Höhenmeter: 202'411 m
Fahrzeit: 1344h 20'
Radtage: 305


Anzahl Übernachtungen:

im Zelt (37%)  225
andere (63%) 379

Erfolgreiches Vorhaben ?

Eine nicht ganz ernst gemeinte Umfrage :-)))) - Schaffen wir es und erreichen Alaska ?
 


Projekt Panamerica
06.01.2009
14:45

on tour ...


seit
606
Tagen und
14 Std. : 56 Min.

www.marandi.ch
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28. Newsletter - Alaska [Juli 10] PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 15. Juli 2010 um 09:01 Uhr

 

 


 

 

 

If we listen to the nature,

we will know what to do.

 

 

Denali National Park (Alaska)

 

Tok - Anchorage - Denali Hwy.- Fairbanks - 19. Mai bis 12. Juli 2010

Pläne sind da, um über den Haufen geworfen zu werden. Unser Zeitbudget lässt uns noch viel Spielraum und so bauen wir auf unserem Weg von Tok nach Fairbanks einige Schlaufen ein. Zusammengezählt sind es schlussendlich ca. 1200 km Umweg. Aber Alaska ist es wert und das Radeln im Dreierteam mit Claude ist einfach Klasse.


Welcome to Alaska ?

"Free all you can eat Breakfast" ... dies ist der 1. Preis beim Pancake Zielwerfen. Wenn das nicht verfressene Radler anzieht? So steuern wir mit grosser Vorfeude den Sourdough (Sauerteig) Campround ausserhalb Toks an. PancakeWerfenLeider entpuppt sich das Pancakewerfen als gar nicht so einfach und wir müssen am nächsten Morgen wieder unsere tägliche Haferflockenration runterwürgen. Aber es kommt noch schlimmer: Claude und Marion schauen Andi nur noch sprachlos und mit grossen Augen an, als dieser ihnen die Nachricht überbringt: „Wir sind soeben vom Campingplatz geschmissen worden! Sofort alles packen und weg". Uff, das war ein Schock und total überraschend. Der Grund liegt darin, dass wir die zweite Nacht nicht sofort am nächsten Morgen bezahlt haben. Wir alle waren mit Wäsche waschen, Einkaufen und Newsletter schreiben zu sehr beschäftigt, so dass wir es schlichtweg vergessen haben. Zudem gab es auch noch ein Missverständnis, weil wir nicht strikt Claudes kleines Zelt zusätzlich deklariert hatten. So sollen wir für die 2. CampChurchNacht das Doppelte bezahlen und mehr als ein Monster-RV mit 4 Personen und mit Strom- und Wasseranschluss. „Mein Sohn arbeitet bei den State Troopers und die rufe ich an, wenn ihr in zehn Minuten nicht verschwunden seid!!!", ist dann noch das Sahnehäubchen, als die Inhaber zum dritten Mal zu unserer Campsite zurückkommen, um uns zu beschimpfen. Jetzt verstehen wir die Welt definitiv nicht mehr!?! Da es schon später Nachmittag ist, finden wir unweit ein Plätzchen bei einer „Kirche". Der Pastor hat Erbarmen mit uns und lässt uns auf seinem „heiligen" Boden, direkt vor dem Kircheneingang, das Zelt aufschlagen. Schade, mit der Dusche vor der Weiterfahrt wird es nun nichts mehr. So waren also die ersten Tage in Alaska nicht gerade sehr einladend und so viel zur Alaskanischer Toleranz.

 

Auf nach Anchorage ...

Das Wetter ist merklich schlechter, seit wir uns auf Alaskanischem Boden befinden, doch der Regen beschränkt GlennHwy2sich meist auf ein paar wenige Stunden mit Nieseln und immer mal wieder guckt auch die Sonne hervor, damit alles, was gerade nass geworden ist, schnell wieder trocknen kann. So liebt es doch der Camper! Nicht auszudenken, wie es wäre, im Regen zu frühstücken, das Zelt abzubauen, zu radeln, Pause zu machen, das Zelt wieder aufzubauen und Abendessen zu kochen. Kochen und essen im Zelt geht nicht wegen den Bären und so schöne Shelter wie in Kanada gibt es hier nicht mehr.

Durch ähnliche Wälderlandschaften fahren wir auf dem Tok Cut-Off Highway eher unspektakulär und mit hartem Gegenwind Richtung Südwesten bis nach Glennallen, wo der lange, nicht steile WartenAufstieg zum Eureka Pass (1028 m.ü.M.) beginnt. Wir erhalten einen fantastischen Blick über das nun breite, wunderschöne Hochtal. Doch leider verbergen uns wieder viele Wolken die imposanten Wrangell- und später Chugach Mountains. Gleich nach dem Pass fahren wir unseren 20‘000. Kilometer. Die Fahrt wird nun wieder interessant, hügelig und abwechslungsreich ... Wir erreichen den Matanuska Glacier, der sich bis weit ins Tal des Matanuska Rivers zieht. Dank einer Nacht hinter einem ausgedienten Souvenirshop, haben wir die beste Sicht auf den Gletscher und als am Abend auch noch ein Moose am Zeltplatz besucht sind wir total glücklich. Den ganzen Tag begleitet uns der imposante Matanuska River am folgenden Tag. Während der Fluss ChugachMtmit gleichemässigem Gefälle gemächlich dahinfliess, klettern wir am Talhang die ganze Zeit schweisstreibend hoch und runter, hoch und runter. Nach fünf Tagen, die letzten 50 km auf einer hässlichen Autobahn, erreichen wir Anchorage, die grösste Stadt in Alaska, welche im Cook Inlet gelegen ist. Eigentlich sollten wir dort ein Plätzchen zum Bleiben haben, aber der gute und nette Mann, der damals mit seinem Auto am Strassenrand abrupt gestoppt und uns die Telefonnummer seiner Tochter gegeben hat, hat ihr aber nie von uns erzählt. Und so war sie derart perplex als wir anrufen, dass sie um Bedenkzeit bittet und sich nie wieder meldet. So radeln wir in Anchorage zum Visitor Center, um uns ganz ungewohnt nach Hostels zu erkundigen. Leider alles ausgebucht, müssen wir uns sagen lassen...

 

Erfreuliche Überraschung in Anchorage ...

Als wir etwas ratlos rumstehen, kommt auch schon, wieder einmal mehr, Mister Glück und Zufall dahergelaufen ... Erik ist diesmal sein Name, ein Chirurg und grosser Gentlemen. Er fragt uns spontan nach einem kurzen Gespräch, ob wir schon eine Bleibe hätten. Auf unser etwas verweifeltes „NEIN" meint Erik sofort: PizzaAnchorage„Ich finde schon was für euch und wenn nicht, nehm ich euch nach Eagle River mit, wo ich wohne (20 km ausserhalb Anchorages)." Dann startet er eine SMS- und Telefonaktion an all seine Bekannten und Freunde in Anchorage. Eine Stunde später ist die Unterkunft gefunden und zwei Stunden später sitzen wir mit seiner gesamten Familie bereits im trendigsten Restaurants von Anchorage und geniessen leckere Pizzas, Bier und köstlichsten Cheescake. Das hätten wir uns nie Traum vorstellen können. So verbringen bei Anna, einer ganz aufgestellten Radlerin, drei erholsame, schöne Ruhetage, während denen es sich so richtig ausregnen kann. Eines Abends klart der Himmel aber gegen halb elf ganz plötzlich auf und der ganze Himmel erscheint golden. Wir hüpfen auf unsere Räder um SunsetAnchoragedieses Spektakel sehen zu können und werden Zeuge eines der spektakulärsten Sonnenuntergänge unserer Reise. Und dies um halb zwölf in der Nacht! Ganz weit in der Ferne können wir auch die Spitze des Denali (Mount McKinley) erhaschen. Aber dies kann uns noch nicht befriedigen: Den wollen wir noch ganz sehen! Also auf in Richtung Denali National Park...

 

Ein grossartiger Park

DallSheep2

Es ist wohl der wohl grösste Anziehungspunkt in Alaska ... der Denali National Park, dessen Besuch es trotz der vielen Touristen alleweil wert ist. Doch der Weg dahin, für uns immerhin fünf Tage, ist nicht sehr attraktiv. Der Parks Highway zieht sich tagelang unattraktiv durch Wälder und zum Teil hässlichen und komischen Gegenden wie das Sarah Palin Country Wasilla. MtMcKinleyAuch hier oben haben wir von einheimischen lustige Anekdoten von der ehemaligen Gouverneurin erzählt bekommen Zwinkern! Einziger Höhepunkt ist der Denali Aussichtspunkt entlang des Highways, von wo man einen tollen Ausblick auf den höchsten Berg Nordamerikas, den Mt. McKinley, haben soll. Aber wir haben wieder Pech, für Andi ist es nun schon das 3. Mal, dass er den Berg nicht sehen kann. Doch wir geben nicht auf... Obwohl es erst Mittag ist, entscheiden wir uns, direkt hier beim Aussichtspunkt zu campen und zu warten ... vielleicht ist uns das Glück doch noch hold. Es sieht gar nicht danach aus... Doch tatsächlich am späten Nachmittag reisst sich ein Loch in die Wolken und die DallSheepeisigen Nord- wie auch Südgipfel des Mt. McKinley werden freigelegt - Fantastisch!!!

Zwei Tage später stehen wir auf der Nordseite des Denali Massivs am Eingang zum grossen Denali National Park. Zum Ärger vieler Amis hat der Park ganz strenge Reglemente. No fishing, no hunting, no Cars, no Quads ... also no fun! So befinden sich nur die Touristen im Park, die Natur suchen und das macht einen riesen Unterschied. Wir fühlen uns wie in einer Oase und können uns von den letzten etwas nervenaufreibenden Radeltagen erholen. Der Park ist ein Highlight, die Natur wunderschön und hier kann man Wildlife sehen, was sonst in Alaska eher eine Glückssache ist. GroundSquirrelUnd hier kann man den mächtigen Mt. McKinley aus nächster Nähe sehen ... wenn man Glück hat, denn nur 20% der Besucher sehen den Berg, der sonst immer in Wolken gehüllt ist. Während Claude die lange Bustour zum Wonderlake unternimmt, gehen wir beide auf eine „geheime" Wanderung. Von unserem Freund Chlaus Lötscher (www.alaska-wildtrek.ch) wissen wir, wo man abseits Dall Sheeps beobachten kann. Nach einer halben Stunde Fahrt mit dem gratis Shuttle in den Park hinein, wandern wir abseits eine Stunde steil eine Bergflanke hoch. Kurz bevor wir den Grat auf 1300 m.ü.M. erreichen, entdecken wir die nicht gut sichtbaren Dall Sheeps hinter einem Felsen. MooseNur wenige Meter von uns entfernt suchen sie in der kargen Vegetation nach Futter. Eine halbe Stunde verweilen wir dort oben bei heftigen Winden und geniessen die Tiere, die fantastische Aussicht und die totale Abgeschiedenheit. Am nächsten Tag sind wir froh, noch einmal einen Tag im Park verbringen zu können ... Nach eineinhalb Jahren auf dem Rad haben sich unsere Beinmuskeln total verändert und sind nicht mehr fürs bergab Wandern vorgesehen. Dementsprechend war dann auch der Muskelkater in den nächsten Tagen ziemlich schmerzhaft. Aber hier wandern zu gehen ist wirklich etwas Wunderschönes und wir sehen viele Tiere: Moose, Dall Sheeps, Ptarmigans, Ground Squirrels, ein Redfox und Murmeltiere.

 

Unser Highlight in Alaska ...

Wir sind nur noch zwei(!) Tage von Fairbanks entfernt, die Wetteraussichten sind miserabel und es lockt sehr, dem Ziel näher zu kommen. Trotzdem können wir dieser Verlockung widerstehen.  Nicht aber der VerlockungAlaskaRange2 Denali Highway. Es ist die 220 km lange Schotterstrasse durch die Berge, welche den westlichen Parks Hwy. mit dem östlich gelegenen Richardson Hwy. verbindet. Dies bedeutet, nach eineinhalb Monaten Abschied von Claude zu nehmen, die direkt nach Fairbanks fahren will. Wir hatten eine super schöne Zeit zusammen Wir fahren nun aber nicht wieder zu zweit weiter, nein, wir haben bereits wieder einen neuen Gast. Es ist Michael aus England, wieder ein Soloradler. Im Denali Park haben wir ihn angetroffen und er möchte mit uns den Denali Hwy. fahren. Cool!

Wieder einmal war unsere Entscheidung gut getroffen. Der Denali Highway entpuppt sich als das bisherige Highlight in Alaska. Die harte und strenge Schotterstrasse mit vielen Anstiegen führt uns durch einsame, wunderschöne Landschaften, entlang der hohen Gipfeln der CampMcLarenRiverAlaska Range. Wir fahren durch einzigartige Tundra und Taiga Landschaften, überqueren die grossen Flüsse wie den Susitna River, die hier oben in den Gletschern ihre Quellen haben. Haben wir am ersten Tag noch stark bewölkten Himmel, dürfen wir am zweiten und dritten Tag bei schönstem Wetter durch das Hochtal pedalen, mit den bisher imposantesten Weitblicken auf die weissen Gipfeln der Alaska Range. Mit dem McLaren Pass (1260 m.ü.M.) überqueren wir den zweit höchsten Pass in Alaska. Nur zwischendurch wird die herrliche Stimmung durch einen platten Reifen von Andi gestört. Ja, es ist eine ganze Serie von „Flat Tires. Der eine Pneu ist so schlecht, dass ein Ersatzreifen aufgezogen MtDeborahHesswerden muss. Nach drei Tagen erreichen wir auf der anderen Seite den kleinen Ort Paxson, bestehend aus einem Restaurant und einer Bar. Mit absolut sensationellem Rückenwind, wie wir es noch nie auf der ganzen Reise hatten, radeln wir am nächsten Tag 133 km entlang des Delta Rivers nach Delta Junction und treffen dort nicht nur wieder auf den Alaska Highway, nein, wir treffen auch wieder Claude, die von Fairbanks kommend Richtung Dawson City unterwegs ist. Gemeinsam schlagen wir auf einem Campground das Zelt auf und verbringen nochmals einen schönen Abend zusammen.

Am nächsten Morgen sind wir alle bereits um 10:00 Uhr in der Buffalo Bar von Delta Junction zu finden ... nein, nicht zum WM-FinalBier trinken ... es ist der Tag des Finalspieles der Fussball-Weltmeisterschaft in Südamerika und in dieser Bar können wir auf einem grossen Monitor das Spiel verfolgen, während es draussen weiter regnet, wie schon die ganze Nacht. Natürlich ist hier ausser uns Europären niemand an diesem Spiel interessiert. In der verrauchten Bar treffen wir auch einen echten Goldgräber, der uns stolz seinen Verdienst aus purem Gold präsentiert. Rund US$ 5'500.- Wert ist der Inhalt seines Döschen, das er so locker in der Hand hält. Am frühen Nachmittag setzen wir, nun wieder „nur" noch zu zweit, unsere Fahrt nach Fairbanks fort. Topografisch sind diese zwei Tage kein Problem mehr, doch der Wind hat 180 Grad gedreht undGold ist fast zu einem Sturm angewachsen. Wir fühlen uns wieder einmal mehr nach Patagonien zurückversetzt und erreichen mit schweren Beinen unsere letzte grosse Stadt im Norden ... Fairbanks ! Bei Carol haben wir wieder eine super "private" Unterkunft gefunden, welche uns von Leuten aus Los Angeles vermittelt wurde. Da das Gästezimmer bereits vermietet ist, schlagen wir unser Zelt auf dem Balkon auf. Wir lieben es ja, an der frischen Luft zu sein, nur ist die Luft zur Zeit ziemlich rauchig hier. Wie schon vor sechs Jahren als wir hier waren, hat es in der Umgebung wieder Waldbrände, die Fairbanks mit ihrem Qualm und Russpartikeln zeitweise total einhüllen.

 

Nervös?

Unsere Spannung steigt ... langsam werden wir doch tatsächlich ein wenig nervös ... wir stehen nur noch ca. 10 Tage vor unserem grossen Ziel der Prudhoe Bay. Doch diese 10 Tage und die 800 km in diese Ölbucht hoch werden neben dem Paso Jama in Südamerika wohl die grösste Herausforderung unserer Reise sein. Stellt euch vor, es hätte auf der Strecke Zürich-Hamburg keinen einzigen Laden, nur genau zwei Truckstop- Restaurants und praktisch die gesamte Autobahn besteht nur aus Schotterstrasse. Tja, das steht uns bevor! Wir bereiten uns nun intensiv auf den Schlussspurt vor und starten in 3-4 Tagen Richtung Arctic Sea ...

 

Bye, bye

Andi and Marion