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Höhepunkt ist nach vier Tagen aber doch der kulinarische Stopp bei Jakes Corner. Diesen mussten wir uns hart erarbeiten. Nach 4 wunderschönen Tagen regnet es an diesem Morgen in Strömen und ausgerechnet hier müssen wir eine 10km lange Baustelle passieren. Eine dünne Schicht Schlamm liegt auf der Oberfläche des Schotterbelages und wir werden von unsren Rädern von oben bis unten voll gespritzt. Auf unserer ganzen Reise hatten wir noch nie s o schmutzige Räder. Gerade auf die Mittagszeit erreichen wir dann Jakes Corner, wo wir unseren Heisshunger zuerst mit einem leckeren Hamburger und danach mit einem riesigen, dicken Cinnamon Bun stillen. Wie von unseren Freunden Sven und Doro vorausgesagt, waren diese Cinnemon Buns einfach der Hammer. Jeder Radler der hier nicht hält, hat etwas verpasst. Umso harter war es dann nach eineinhalb Stunden, mit fast platzenden Bäuchen, aufs Rad zu steigen und weiterzufahren ...aber lecker war es alleweil !!!!
Kurz vor Whitehorse machen wir nochmals einen Halt - bei Peter, einer weiteren Warmshower. Wir müssen ihn nicht abseits der Strasse suchen. Der jung gebliebene, 65-jährige Radler kommt uns mit seinem Rennrad entgegen und begleitet uns zu seinem paradisischen Haus. Er wohnt direkt am schönen Marsh Lake, welcher die Quelle des grossen Yukon River bildet. Mit seinem Hausboot tuckern wir am Abend kurz zum Ausfluss des Sees und Beginn des Yukon Rivers - die weissen und schwarzen Wolken am Himmel, zusammen mit der untergehenden Sonne, lassen uns einen spektakuläre Abendstimmung erleben. Jetzt können wir auch noch sagen, dass wir einmal auf dem 3285 Kilometer langen Yukon River waren . Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir am nächsten Tag Whitehorse...
Gold! Gold! Gold! Gold!
Whitehorse war während des Goldrausches im 19. Jahrhundert ein wichtiger Umschlagplatz. Hier dreht sich alles ums Gold. Als 1897 Gold im Norden des Yukon gefunden wurde, zogen über 30‘000 Goldgräber von den USA nach Norden. Mit dem Schiff erreichten sie Skagway und von dort kamen sie in einem mühsamen Fussmarsch über den Chilkoot Pass nach Whitehorse. Von hier aus fuhren schlussendlich Dampfschiffe auf dem Yukon River hinunter zu den Goldfeldern am Klondike (Dawson City). Eines dieser Dampfschiffe, die SS Klondike, besuchen wir und lassen uns in diese historische Zeit zurück versetzen. Wir beide waren vor sechs Jahren schon mal in Whitehorse und auch in Dawson City und haben dort die Goldfelder sowie die riesigen, schwimmenden Goldbagger besucht. Jetzt wollen wir auch die Gegend und Geschichte kennen lernen, wo die tausenden Goldsucher an Land und nach Whitehorse gelangt sind.
Von Whitehorse fahren wir in den Süden nach Skagway, von dort mit der Fähre nach Haines und dann wieder nordwärts nach Haines Junction. Ein Weg der fast 300 km länger ist als der direkte auf dem Alaska Hwy. Doch der Umweg lohnt sich ...
Whitepass (Whitehorse - Skagway)
Nach einem Ruhetag in Whitehorse nehmen wir die Strecke nach Süden unter die Räder, auf der wir überraschend auf kräftigen Gegenwind stossen. Die immer schöner werdende Landschaft lässt einem diese Strapazen jedoch locker vergessen. Um uns herum werden die Berge grösser und imposanter. Wir fahren am wunderschönen Emerald Lake vorbei, wo wir eine Pause einschalten und die kräftigen Farben des Sees geniessen müssen. Da hält auch schon ein Auto an und die Leute teilen uns aufgeregt mit, dass gleich da oben um die Ecke ein Schwarzbär sei. Uns beunruhigt das nicht mehr gross, so oft wurden wir gewarnt und 1 Minute später sahen wir nichts mehr. Diesmal stimmte es aber, direkt hinter unseren Rücken, 100 Meter entfernt frisst ein Schwarzbär gemütlich am Strassenrad und verschwindet schon bald wieder im Wald. Kurze Zeit später führt uns die Strasse durch die Carcross Wüste ... es soll die kleinste Wüste der Welt sein! Unaufhaltsam kommen uns nun die Schneeberge näher unsdnäher und am 2. Tag fahren wir inmitten einer spektakulären Landschaft mit Wäldern, Bergseen und mit Gletschersicht. Wir fühlen uns wie auf einem hohen Alpenpass, nur ist es noch viel schöner. Mit dem Whitepass auf etwas knapp über 1000 m.ü.M. erreichen wir den höchsten Punkt und lassen es danach in einer 20 km langen, sensationellen Abfahrt nach Skagway auf Meereshöhe hinunterrollen. In der Abfahrt passieren wir den Zoll, denn wir sind kommen hier in den Staat Alaska, USA. Hier also sind die Goldsucher angekommen und über den Chilkoot Pass nach Whitehorse gelaufen, das beeindruckt uns extrem. Skagway ist eine schöne, aber heute total dem Tourismus verfallene Stadt mit ca. 860 Einwohnern. Sie wird täglich von vielen dieser riesigen Kreuzfahrschiffen besucht und kann somit von einer auf die andere Stunde von bis zu zehn tausend Touristen überschwemmt werden. Wie eingesperrte Schäfchen lässt man die Touristen für ein paar Stunden Auslauf aus dem Schiff, um sie dann am Abend wieder zurück in den "Stall" zu rufen . Sind wir froh, dass wir mit dem Rad unterwegs sind. Für uns ist es nicht ganz einfach hier eine Bleibe zu finden, da wir nicht auf einem RV-Park zwischen den riesigen Wohnmobilen und deren Stromgeneratoren das Zelt aufschlagen wollen. Und die Zeltplätze 15 km ausserhalb der Stadt, sind uns doch zu weit weg. So genehmigen wir uns zuerst einmal gemütlich ein Kaffee und einen Cinnamom Bun in einer Bäckerei um den Lageplan zu besprechen. Einfach so fragen wir mal die Bäckerin, ob sie einen Ort zum Campen kenne. "Ja klar, ihr könnt auf unserem nicht bebauten Grundstück das Zelt aufschlagen." Das war wieder ein VOLLTREFFER und das eine ergibt das andere. Schlussendlich können wir das schöne Gästehaus der Nachbarin benutzen und haben eine super Bleibe.
Chilkat Pass (Haines - Haines Junction)
Am nächsten Tag düsen wir mit der Schnellfähre von Skagway nach Haines. Beide Orte liegen am Lynn Canal. Dieser ist ein 145 km langer, zwischen 5 und 19 km breiter Fjord und mit einer Tiefe von bis zu 600 m ist er der tiefste Fjord in Nordamerika. In Haines plagen uns zum ersten Mal so richtig die Mosikots. Ohne schützendes Kopfnetz geht gar nichts mehr, es ist kaum zum Aushalten. Und wir wissen, dass dies eigentlich noch nichts ist, es soll noch viel schlimmer kommen. Die Fahrt und die Landschaft von Haines aus ist komplett anders als die Hinfahrt über den Whitepass. Die mehrere hundert Meter breiten Chilkat- und später Klehini River prägen diese rauhe Landschaft. Wir passieren ein Reservat von Weisskopfseeadlern. Das Gebiet beherbergt die weltweit größte Population dieser schönen Vögel. Ca. 400 leben ganzjährig dort, während der Lachswanderung im Herbst steigt die Zahl auf bis zu 4000 Tiere. Wir lassen uns sagen, dass die beiden Flüsse im Winter nicht gefrieren. 300 Meter tief ist hier das Tal mit Kies gefüllt, welches so viel Wärme speichert, dass das Wasser an der Oberfläche nicht gefrieren kann. So ist dies einer der Flüsse, die schon sehr früh im Jahr Lachse beherbergen. Wir passieren die Grenze zu Kanada wieder und auf der ganzen Fahrt zum 1000 m.ü.M. gelegenen Chilkat Pass begleitet uns ein faszinierendes Panorama der schneebedeckten Küstenberge. Kurz vor dem Pass überholt uns ein Wohnmobil, hält an und fährt zu uns zurück. Es sind Schweizer aus Solothurn, die uns an unserer Schweizerflagge erkannt haben und geben uns spontan eine handvoll Toblerone Schokolade mit auf den Weg. Wow, welch eine nette Geste, herzlichen Dank. Zwei Tage später erreichen wir wieder den Alaska Highway bei Haines Junction. Diese ganze Strecke war zwar viel weiter und ziemlich hügelig aber mit Sicherheit das Schönste und Abwechslungsreichste was wir bisher in Nordamerika gefahren sind. Wir können es allen nur empfehlen.
In Haines Junction machen wir einen Ruhetag, obwohl exakt an diesem Wochenende, ein Bluegrass Festival statt findet. Es ist ziemlich was los in dem sehr kleinen Ort und auch auf dem Campgingplatz herrscht reges Treiben. Doch es ist eine gute Atmosphäre und am Abend spielen die Leute noch bis spät in die Nacht auf ihren Instrumenten tolle Musik. Wir sind mit Wäsche waschen, Streckeninfos besorgen und Essensreserven aufzufüllen beschäftigt. Dass Nahrungsmittel hier im Norden sehr teuer sind wussten wir bereits. Jedoch diese Preise hier in Haines Junction hauen uns fast um und wir müssen für ein wenig Essen ziemlich tief ins Portemonnaie greifen. Naja, wenig Essen.... Bis zum nächsten Store sind es fünf Tage!
Alaska wir kommen ...
Von Haines Junction aus machen wir uns auf den letzten Abschnitt, um definitiv Alaska zu erreichen. Entgegen den Befürchtungen ist der fast 500 km lange Weg nach Tok sehr schön, einsam und nicht stark von Trucks und Wohnmobilen befahren. Durch ein riesiges, bewaldetes Hochtal fahren wir Richtung Westen, am Rande des Kluane- und Wrangell-St.Elias Nationalparks. Mit zwei weiteren Parks zusammen ist es das grösste geschützte Naturgebiet auf Erden, welches auch das grösste Nicht-Polar-Eismeer und den höchsten Berg Kanadas (Mt. Logan, 5959m) beherbergt. Wir können diese spektakuläre Landschaft nur erahnen, verdeckt uns doch die erste Bergkette die Sicht auf die bis zu 6000 Meter hohen Berge und Gletscherwelt dahinter. Unterwegs treffen wir endliche wieder einmal einen Bären an. Ein schöner Grizzly sucht sein Futter zwischen Strassenrand und Wald. Später entdecken wir auch noch eine Bärenfamilie - eine braune Schwarzbären Mutter mit ihren beiden rabenschwarzen Jungen. Und dann quert auch noch ein Stachelschwein ganz gemütlich den Highway vor unseren Augen. Von den vielen angekündigten Moose, die es hier geben soll, sehen wir kein einziges.
Die letzten Wochen fahren wir eher längere Etappen und sind jeweils ziemlich müde am Abend. Doch am Rastplatz angekommen heisst es noch lange nicht Feierabend. Zuerst wird Zelt aufgebaut, dann geht es zum Wasser filtern, Katzenwäsche, Abendessen zubereiten und Holz suchen - erst spät geht's endlich in die Horizontale. Inzwischen ist unsere Bärenangst ziemlich gewichen und wir schlafen gut und ruhig ... aber immer noch haben wir grossen Respekt und wir halten die "Spielregeln" konsequent ein. Schlafen tun wir aber trotzdem nicht so viel Wir sind schon soweit im Norden, wo es gar nicht mehr richtig dunkel wird und auch um Mitternacht ist es noch fast taghell. Doch wir geniessen dieses hellen Abende am Feuer sehr. Die meisten Nächte campen wir auf den Government Campgrounds, welche im Yukon immer einen schützenden Shelter haben und darin sogar einen Holzofen. So gibt es jeden Abend ein warmes, gemütliches Feuer. Am Lake Creek Campground will es der Zufall, dass wir auf einen Radler aus Taiwan und ein Radlerpaar aus Frankreich treffen. Gemeinsam kochen wir Abendessen im Shelter und tauschen Erfahrungen bis spät in die Nacht aus. Vor allem „Strong", der Radler aus Taiwan, der in Alaska gestartet ist und bis nach Südamerika, dann durch Europa und durch Asien radlen will hat keinerlei Erfahrungen, vor allem auch nicht mit dem Essen. Acht einzelne Nudeln hat er sich zum Abendessen, mit ein wenig Wasser gekocht. Mehr nicht!?! Ob dies an seinem gesamten Reisebudget von total US$ 8000.- liegt, oder ob er immer so wenig isst? Nach vier Tagen überqueren wir wieder die Grenze in die USA und betreten den 49. US Bundesstaat Alaska. Yeahhh, wir konnten es fast nicht mehr erwarten, nach sechs Jahren wieder hier zu sein . Doch der Grenzübergang war eine kleine Zitterpartie ... trotz VISA hatten wir bisher nur eine 6-monatige Aufenthaltsdauer erhalten, die Anfangs Juni abläuft. Hier müssen wir eine neue Dauer beantragen und es liegt immer im Ermessen des Zollbeamten (trotz VISA), ob er uns nochmals eine Verlängerung gibt. Zum Glück war der Chef-Zollbeamte auch ein Radler und ohne Probleme erhalten wir weitere 6 Monate - wir sind unserem Ziel wieder einen Schritt näher. Einen Tag später, mit hartem Gegenwind und Regen rollen wir bereits in Tok ein - ein Ruhetag ist wieder angesagt und wir müssen wieder Essen einkaufen ... unsere Taschen sind komplett leer ...

... das dauert ein bisschen ... sind gleich zurück ...
Viele Grüsse und Hopp Schwiiz
Marion und Andi
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